Forschungen am Wissenschaftlichen Geflügelhof


Untersuchung zur Sichtfreiheit bei haubentragenden Haushühnern in Zusammenhang mit der Ausbildung einer Schädelprotuberanz am Beispiel der Rasse Zwerg-Paduaner


11.04.2020

Untersuchung zur Sichtfreiheit bei haubentragenden Haushühnern in Zusammenhang mit der Ausbildung einer Schädelprotuberanz am Beispiel der Rasse Zwerg-Paduaner

 

Zeitraum: Sommer 2020 bis voraussichtlich Herbst 2020, Bearbeitung im Rahmen einer Bachelorarbeit durch Lisa Erner

In den letzten Jahren ist unter Züchtern vermehrt festgestellt worden, dass Zwerg-Paduanerküken die mit einer rassetypischen Schädelprotuberanz, einer halbkugelförmigen Schädelerhöhung, schlüpfen, dieses Merkmal innerhalb der ersten zehn Lebenswochen wieder verlieren können. Das Problem hierbei ist, dass eine ordentlich ausgeprägte Schädelprotuberanz benötigt wird, um eine genügende Sichtfreiheit zu gewährleisten. Durch eine zu kleine oder große Protuberanz fällt die Federhaube über die Augen, wodurch es zu Schwierigkeiten mit der Sichtfreiheit kommen kann.

 

Daraus ergeben sich zwei verschiedene Fragestellungen. Zum einen: Findet wirklich eine Rückbildung statt? Und wenn ja, lassen sich die Ursachen hierfür erkennen? Zum anderen: Nimmt die Ausprägung der Schädelprotuberanz einen Einfluss auf die Sichtfreiheit?

Diesen Fragestellungen geht der Wissenschaftliche Geflügelhof des BDRG (WGH) zusammen mit dem Institut für Tierschutz und Tierhaltung des FriedrichLoeffler- Institut (FLI) in Celle mit dem Team um Frau Dr. Stefanie Petow nach.

 Für das Projekt wurden 197 Zwerg-Paduaner Bruteier von vier verschiedenen Züchtern im FLI in die dortigen Brutmaschinen eingelegt. Mitte März 2020 schlüpften daraus 129 Küken. Diese Küken wurden individuell markiert und bis zur 14. Lebenswoche einmal wöchentlich geröntgt und die Protuberanz vermessen. 

Zusätzlich wird die Entwicklung der Tiere fotodokumentiert. Darüber hinaus wird ein Teil der Tiere hirnpathologisch untersucht. Dies ist in Zusammenarbeit mit Frau Dr. Julia Mehlhorn, AG Netzwerkanatomie des Gehirns, Institut für Anatomie I der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, möglich.

Im Anschluss an die 14-wöchigen Beobachtungszeit im FLI wird ein Teil der Tiere zum WGH gebracht. Hier sollen die Tiere im Rahmen von Verhaltensexperimenten hinsichtlich ihrer Sichtfreiheit untersucht werden. Dabei soll ein Futterexperiment entwickelt werden, da durch das Picken nach einzelnen Körnern ein Rückschluss auf die Sichtfreiheit gezogen werden kann. Zusätzlich soll ein Experiment zur Orientierung in einer ungewohnten Umgebung, z.B. einem Labyrinth geplant werden. Abgerundet wird das ganze durch Beobachtungen des Sozialverhaltens der Hühner untereinander. Hühner haben eine strikte Hackordnung, die das Erkennen einzelner Gruppenmitglieder voraussetzt. Für dieses Erkennen ist eine ausreichende Sichtfreiheit essentiell. Die Experimente werden einmal mit den Tieren mit Federhaube durchgeführt und ein weiteres Mal, nachdem die Federn der Haube weggeschnitten wurden. Hieraus kann ein direkter Vergleich zwischen der Sichtfreiheit mit und ohne Federhaube und den Ergebnissen aus den Verhaltensexperimenten erfolgen. Ergänzend werden die Ergebnisse in Zusammenhang mit den Röntgenbildern in Bezug auf die Schädelprotuberanz gebracht.

 

Als Vergleichsrasse werden Zwerg-Holländer Haubenhühner untersucht. Diese Rasse kennzeichnet sich ebenfalls durch eine große Federhaube mit einer Schädelprotuberanz, allerdings ist bei dieser Rasse die Problematik einer wieder verschwindenden Protuberanz nicht bekannt. In die Projektplanung und Durchführung ist der Sonderverein der Züchter der Seidenhühner und Zwerg-Haubenhühner mit einbezogen, insbesondere der 1. Vorsitzende Herr Norbert Niemeyer. 


Download
Schlupfliste WGH
Schlupfliste.xlsx
Microsoft Excel Tabelle 15.0 KB

Am 26.02.2020 schlüpften die Küken aus den, von den Züchtern zum WGH gebrachten, Eiern. In der nebenstehenden Datei kann exakt der Schlupf nachvollzogen werden.



30.12.2019

WGH und FLI Protuberanz

 

Am 02.12.2019 fuhren Andreas Brauckmann und ich (Norbert Niemeyer) zum Wissenschaftlichen Geflügelhof nach Rommerskirchen. Dort trafen wir uns mit Frau Dr. M. Fellmin und weiteren Wissenschaftlerinnen von FLI in Celle. Es wurde die Vorgehensweise für die Untersuchung der Protuberanzen bei den Zwerg-Paduanern besprochen. Es wurde festgelegt, das Ende Februar je 80 Bruteier der Farben Schwarz, chamois-weißgesäumt und gold-schwarzgesäumt von unserem SV an das FLI geliefert werden. Gleichzeitig werden bei G. Droste Appenzeller Zwerg-Spitzhauben und bei mir Zwerg Holländer-Haubenhühner je 20 Vergleichstiere gebrütet. Diese werden nach Anforderung durch das FLI diesem zur Verfügung gestellt. Da das FLI über ein CT Gerät verfügt, können die Tiere dort regelmäßig geröntgt werden, um so das Rätsel über das Verschwinden der Protuberanz zu lösen. Außerdem wird das Pickverhalten und das Sichtfenster unserer Rasse erforscht. Hierzu wird eine Doktorarbeit gefertigt. Leider hat ein Aufruf im letzten Rundschreiben, Bruteier zur Verfügung zu stellen, unverständlicherweise nicht den gewünschten Erfolg gebracht, und nur B. Ruholl, K. König und T. Niemeyer haben sich bereit erklärt Eier zu spenden.

Wir gebrauchen aber noch Bruteier von gesperberten, weißen und blauen Zwergpaduanern. Meldungen bitte bis zum 15.01.2020

 

Norbert Niemeyer

1. Vorsitzender